Während später in den Konferenzräumen von Siraaz und Castèl del Monte die Stimmen der Diplomatie den Takt des Intesa-Gipfels werden, geschah vor dem Beginn des eigentlichen Gipfel etwas Anderes, beinahe Leiseres – doch ebenso Bewegendes. Abseits der offiziellen Protokolle öffnete sich in Siraaz ein Raum, ein Amphitheater, in dem nicht Strategiepapiere, sondern Verse zirkulierten. Die Inszenierung der Antigonae – eine altdionysisch Tragödie, aber in ganz und gar zeitgenössischem Gewand – zog die Zuschauerinnen und Zuschauer der hohen Diplomatie und Politik in ihren Bann.

Was dabei geschah, war weit mehr als ein Theaterabend. Es war, als habe sich eine neue Perspektive und ein neuer Horizont aus sich selbst geöffnet, durchlässig gemacht für andere Fragen, andere Stimmen. Die Tragödie – voller Schmerz, Aufbegehren, und leiser Hoffnung – wurde zur gemeinsamen Sprache für einen Moment der Einkehr und der Selbstreflexion. Gedanken flossen wie beiläufige Gespräche – über Recht und Gewissen, über Liebe, Macht als sich die Zuschauer mit den Schauspielern und der Regie über die Bedeutung dieses Stücks unterhalten konnten. Bewusst wurde auf eine moderne Inszenierung gelegt, die verschiedene politische und moralische Interpretationen zulässt.

Das Stück Antigone kann dabei auch als Warnung verstanden werden was passieren kann wenn man nicht aufeinander zugeht, sondern starr festhält. Es soll einen Kontrapunkt setzen zu dem was tatsächlich bei diesem Gipfel der Intesa Cordiale zu passieren scheint: Eine Zusammenkunft unterschiedlicher Menschen, Nationen und Kulturen.

Während in der Welt der Diplomatie nach Lösungen und Projekten gesucht und diese verhandelt werden, lebte bei dieser Theateraufführung etwas auf, das sich nicht verhandeln lässt: das Bedürfnis nach Sinn, nach Schönheit, nach gemeinsamem Erinnern. Und vielleicht ist genau das die leise Kraft, die ein Gipfeltreffen braucht.